Aus Alt mach Neu - Analog wird zu Digital

 

Vor ca. einem Jahr begann die Umstellung von Analog- auf Digitalfunk in Schleswig-Holstein.

Nachdem die Polizei den Vorreiter machte, zogen der Rettungsdienst und nunmehr auch die Feuerwehren nach.

Doch ganz so einfach, wie es sich anhört, ist es leider nicht.

Zuerst mussten aus jeder Feuerwehr mind. ein Kamerad zu einem Digitalfunk-Lehrgang nach Nütschau, um dort als Multiplikator ausgebildet zu werden. Dieser hatte nun die Aufgabe, die restlichen Kameraden seiner Wehr mit dem neuen Digitalfunk vertraut zu machen und den Umgang mit diesem zu schulen.

In Köthel traf sich die Feuerwehr an einem Samstag im Gerätehaus um den Umgang zu erlernen. Vieles kannte man schon aus dem Analogfunk, doch einige Bereiche sind gänzlich neu oder gänzlich anders. Was für die jüngeren Kameraden selbstverständlich ist, machte für  die  "alten Hasen" nicht immer Sinn. Doch spätestens im Praxis-Test konnten alle, noch offenen Fragen oder Unklarheiten, endgültig geklärt werden. 

Nun warten wir, nachdem wir nun auch die Geräte bekamen, auf den Einbau in die Fahrzeuge, denn sobald dies abgeschlossen ist, wird ohne Übergangszeit bzw. Parallelbetrieb , digital gefunkt.

Die ein oder andere Wehr im Amt funkt bereits digital, so dass die restlichen Wehren nach und nach ebenfalls umstellen werden.

 

Warum wird eigentlich umgestellt?

 

Zur Erledigung ihrer jeweiligen Aufgaben verfügen die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) über eine flächendeckende Funktechnologie. Diese, bisher analoge Funktechnik, war auch mehr oder weniger zuverlässig, jedoch in die Jahre gekommen. Reperaturen können zum Teil nicht vorgenommen werden, da keine Ersatzteile mehr vorhanden sind bzw. die Produktionslininen der Hersteller eingestellt wurden. Zudem war die Sicherung zum Schutz gegen ungewollte Zuhörer unzureichend.

2003 wurden im Rahmen des Schengener Übereinkommens die Voraussetzungen für die schrittweise Einführung des bundeseinheitlichen Digitalfunks geschaffen.

 

Veränderungen durch den Digitalfunk

 

1. Sicherheit

Im Gegensatz zu den analogen Funksystemen greifen im Digitalfunksystem mehrere Sicherheitsmechanismen. Zum Einen die Abhörsicherheit, die u.a. durch eine Ende-zu-Ende     Verschlüsselung gewährleistet wird. Zum Anderen gibt es einen gegenseitige Identifizierung von Funknetz und Funkteilnehmer, so dass schergestellt werden kann, dass nir im System zugelassene Teilnehmer im Netz areiten dürfen.

2. Sprachumwandlung

Ähnlich wie bei den heute gängigen Audio-Kompressionsverfahren (z.B. MP3) erfolgt eine Reduzierung der Datenmenge. Durch ein spezielles Verfahren wird hier nur menschliche Sprache übermittelt und alle Geräusche und Störsignale werden weitestgehend herausgefiltert.

3. Betriebsarten

Netzbetrieb = TMO (Trunked Mode Operation) ( vergleichbar mit 4-m-Band im Analogfunk )

Direktbetrieb = DMO (Direct Mode Operation) ( vergleichbar mit 2-m-Band im Analogfunk )

4. Rufgruppen

Anstelle von Kanälen im Analogfunk werden im Digitalfunk Rufgruppen genutzt. Diese ist ein Zusammenschluss organisatorisch und/oder taktisch zusammengehöriger Teilnehmer.

5. Funkkommunikationsmöglichkeiten

- Gruppenruf: Gespräch zwischen mehrern Teilnehmern einer Rufgruppe; Einer spricht, alle anderen hören zu

- Einzelruf: Gespräch zwischen zwei Teilnehmern im Digitalfunknetz ; Einer spricht, anderer (ausgewählter) Teilnehmer hört zu

6. Notrufdienste

Ein Notruf ist ein Ruf bei Gefahr für Leib und Leben. Dabei wird ein besonders bevorrechtigter Gruppenruf aufgebaut, der bestehende Kommunikation unterbricht. Dabei gibt es Unterschiede zwischen DMO und TMO.

Notruf im DMO:

Ein Notruf erreicht nur die Teilnehmer, welche in Empfangsreichweite des sendenden Endgerätes der geschalteten Rufgruppe sind. Die Beendigung des Notrufes ist nur durch das auslösende Gerät möglich.

Notruf im TMO:

Bei einem Notruf werden, sofern gültige GPS-Daten vorhanden sind, die Positionsdaten übermittelt.

Die zwangsweise Beendigung des Notrufes ist nur durch eine dafür berechtigte Stelle möglich.

Ein Notruf erreicht Notrufabfragestelle ( z.b. Leitstelle) und alle Teilnehmer der geschalteten Rufgruppe.

Wird die Notruftaste gedrückt, können die anderen Nutzer der aktiven Rufgruppe und die beteiligte Leitstelle für ca. 30 Sekunden hören, was am Ort des Notfalls geschieht, auch wenn der Nutzer die Sprechtaste nicht drücken kann. Der Notruf bleibt für ca. 3 Minuten aufgebaut.

 

                                                                                                                      

 

Vergleich Analogfunkgerät (rechts) und Digitalfunkgerät (links).

Quelle: Digitalfunk für Anwender, Teilnehmerunterlage, Schleswig-Holstein